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Warum Schulen den FREI DAY brauchen

Wir gehen in eine Welt, die sich von allem, was wir bisher kannten, radikal unterscheidet. Wir werden mit Fragen umgehen müssen, auf die es noch keine Antworten gibt, und werden Lösungen finden müssen, für die wir unbekannte Wege einschlagen.

Mut und Vertrauen in Ungewissheit werden zentrale Zukunftskompetenzen. Junge Menschen müssen befähigt werden mit Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität umgehen zu können. Eine gesellschaftliche Transformation, ein grundlegender Wandel in Einstellungen und Haltungen ist dringliche Notwendigkeit. Es geht um einen Kulturwandel vom EGO in die Kraft des Wir. Bildung ist dafür zentral. Hier ist ein Paradigmenwechsel erforderlich, um zu fördern, was die Gesellschaft für die große Transformation braucht: mutige und kreative Weltbürger*innen, weltoffen mit Gemeinsinn, die es gewohnt sind, lösungsorientiert zu denken und Verantwortung zu übernehmen: für sich selbst, für ihre Mitmenschen, für unseren Planeten. Wir müssen lernen antizipatorisch zu denken und zu handeln. Wir brauchen generations- übergreifende Handlungsstrategien für die existenziellen Krisen unserer Zeit.

Doch wie bereiten wir junge Menschen darauf vor? Wie soll uns das gelingen in einer Schule, die traditionell angelegt ist auf Sicherheit? Eine Schule, in der in einem Stunden-Plan Unterricht so geplant ist, dass feststeht, was am Stundenende herauskommen soll und in der auch die Lehrerausbildung noch auf diesen Modus ausgerichtet ist. Schule bereitet auf die Future Skills bisher unzureichend vor.

Und die Zukunft? Die Zukunft kommt gar nicht vor. Schulbücher und Curricula sind vergangenheitsgeprägt und Lehrpläne auf lange Zeiträume angelegt, so dass sie neuen Fragestellungen und Erkenntnissen gar nicht nachkommen können. Vieles wissen wir heute noch gar nicht. Weltweit wird derzeit intensiv geforscht, in Fachdisziplinen und vor allem auch cross-disziplinär. Neue Forschungsergebnisse müssen in unseren Schulen zeitnah diskutiert werden. Eine breite Beteiligung ist wichtiger Gelingensfaktor für die gesellschaftliche Umsetzung. Die Zukunft braucht einen eigenen Lernbereich, Freiräume für aktuelle Forschungen und Fragestellungen, das Entwerfen von Zukunftsentwürfen, intergenerationales Lernen, Vernetzen der gesellschaftlichen Akteure, das Handeln in Schule und Gesellschaft.

Dazu brauchen junge Menschen Wissen, komplexes Wissen, Haltung, Werte, Umsetzungs-Skills und die intrinsische Motivation aus dem Herzen – Gestaltungs-Kompetenz!

Für das, was bedeutsam ist, brauchen Schulen Zeiten, Orte, Räume. Was nebenbei und nicht im Kern verankert läuft, erscheint als nicht so wichtig. So müssen wir nun einen Raum, einen Ort, ein Gefäß für Zukunft schaffen. Schulen brauchen den FREI DAY!

Autor*in

Margret Rasfeld

Margret Rasfeld ist Gründerin von Schule im Aufbruch und Initiatorin des FREI DAYs. Als ehemalige Schulleiterin macht sie heute Schulen Mut, in den Aufbruch zu gehen.

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