Die Schüler*innen von heute sind die Gestalter*innen von morgen. Damit sie unsere Welt nachhaltig und gerecht gestalten können, müssen Schulen die Potenzialentfaltung von Kindern und Jugendlichen als Kernaufgabe verstehen. Unser Ansatz folgt der Auffassung, dass die Bildung von Schüler*innen durch Selbstbestimmung, Handlungsorientierung und Realitätsgebundenheit gekennzeichnet sein muss.

Der FREI DAY im
pädagogischen Kontext

Am FREI DAY übernehmen Schüler*innen Verantwortung für sich, für andere und für die Welt.

Mut für Neues und Vertrauen in Ungewissheit sind die zentralen Zukunftskompetenzen des 21. Jahunderts. Wir stehen als Mensch-heit vor großen Herausforderungen: Die gerechte Verteilung von Ressourcen, das Überwinden der Klimakrise und die Herstellung von Chancengleichheit sind nur einige davon. Um den Problemen unserer Zeit aktiv begegnen und ihnen Lösungen entgegensetzen zu können, bedarf es junger Menschen mit starken Persönlichkeiten, die sich durch Mut, Verantwortungsbewusstsein, antizipatorisches Denkvermögen sowie selbstwirksames und zugleich kooperatives Handeln auszeichnen.

Das derzeitige Schulsystem in Deutschland ist konzeptionell auf Sicherheit und Kontrolle angelegt. Es zeichnet sich durch zersplitter-tes Lernen in Stundenplänen und Fächerkorsett aus. Doch Kinder und Jugendliche benötigen Räume und Zeit für fächerverbindendes Lernen und für das Üben von verantwortsvollem und nachhaltigem Denken und Handeln, damit sie an sich glauben und unsere Gesellschaft nachhaltig und gerecht gestalten können.

Der FREI DAY fördert diese zentralen Zukunftskompetenzen bei Schüler*innen. Er ermutigt sie, die Gesellschaft von morgen selbst zu gestalten.

Die Schüler*innen beschäftigen sich mit aktuellen sozialen, öko-nomischen und ökologischen Herausforderungen, die sich an den Global Goals der Vereinten Nationen orientieren. Sie entwickeln eigene Lösungen, die sie dann als Projekte in der Schule, Gemeinde oder Stadt umsetzen. Ohne Noten- und Zeitdruck arbeiten die Schüler*innen interessenorientiert, jahrgangsübergreifend und mit Expertinnen vor Ort.

Sie erleben sich als selbstwirksam, entwickeln Zuversicht und Hoffnung für ihre Zukunft. Bereits nach einem Jahr zeigen die Schüler*innen eine stärkere Bereitschaft zum zivilgesellschaftlichen Engagement über das Schulleben hinaus. Sie lernen, neue Perspektiven einzunehmen, entwickeln ihre Problemlösefähigkeit und die Bereitschaft für Veränderung und Innovation. Der FREI DAY ist ein Zukunftstag für die Talente und Potenziale unserer Kinder und Jugendlichen.

Was sind die Global Goals?

Die Global Goals sind Entwicklungsziele für eine gerechte, nachhaltige und gesunde Welt. 2015 haben sich alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) zu 17 Zielen bekannt, die alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen berücksichtigen. Sie gelten für alle Staaten der Welt und sollen bis 2030 erreicht worden sein. Man nennt die Globals Goals auch nachhaltige Entwicklungsziele oder Sustainable Development Goals (kurz SDGs). Die Global Goals machen deutlich, dass wir eine gemeinsame Verantwortung für die Welt tragen. Sie sind wohl die wichtigsten Ziele unserer Zeit.

Quelle: https://www.globalgoals.org/, Stand: 17.06.2021

Am FREI DAY sind Kinder und Jugendliche …

mutig.

Wer sich traut, für seine Ideen und Überzeugungen auf mögliche Widerstände oder Gefahren zuzugehen, ist dazu in der Lage, den Herausforderungen und Ungewissheiten des Lebens proaktiv zu begegnen.

lösungsorientiert.

Wer nicht in Problemen sondern in Möglichkeiten denkt und fühlt, ist dazu in der Lage, sich auf die möglichen Schritte zu fokussieren, die zum Ziel führen.

kreativ.

Wer originell, fantasievoll und schöpferisch handelt, ist dazu in der Lage, innovative und unkonventionelle Lösungsansätze zu entwickeln.

verantwortungsvoll.

Wer sich der Wirkung des eigenen Handelns bewusst ist, ist dazu in der Lage, Verantwortung im Umgang mit Menschen und Dingen zu übernehmen.

teamorientiert.

Wer die Sichtweisen anderer Personen aushält und ihre Fähigkeiten als Bereicherung empfindet, ist dazu in der Lage, kollaborativ und wertschätzend auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten.

selbstwirksam.

Wer an sich selbst und an die eigenen Fähigkeiten glaubt, ist dazu in der Lage, Dinge aus sich selbst heraus zu verändern.

Der FREI DAY im politischen Kontext

Der FREI DAY ist die Antwort auf die politische Forderung nach FREI-Räumen für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

2014 setzte die UNESCO den Weltaktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE 2030) auf. In diesem Kontext entwickelten auf Initiative der Bundesregierung mehr als 350 Organisationen und Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Bildung und Wirtschaft den Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (NAP). Er beinhaltet konkrete Handlungsempfehlungen, wie BNE strukturell in der deutschen Bildungslandschaft verankert werden kann. Im Juni 2017 wurde der NAP ebenfalls durch die Kultusministerkonferenz verabschiedet. Darin heißt es:

„Um die Agenda 2030 zu verwirklichen, müssen wir umfassende und tiefgreifende gesellschaftliche Transformationen anstoßen und umsetzen. Bildung spielt in diesem Prozess eine Schlüsselrolle. […] Bildung befähigt zur Gestaltung von politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Veränderungen.[…] Um dies zu erreichen, müssen wir unser Bildungssystem so ausrichten, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene das Wissen und die Fähigkeiten erwerben, die für die Beantwortung dieser Fragen nötig sind. Wir brauchen kreative Ideen, Visionen und Gestaltungsmut für eine nachhaltige Entwicklung.“

Auch Freiräume werden explizit im NAP gefordert:

„Überformalisierte Strukturen sollen gelockert werden, da diese durch zu enge Vorgaben wie ein Korsett der Selbstentfaltung eines einzelnen im Wege stehen. […] In allen Bildungssettings sind unverzweckte Freiräume strukturell zu verankern. […] Freiräume für die Ausbildung von Gestaltungskompetenzen, die Partizipation, selbständiges Lernen und kreatives Gestalten ermöglichen. Dieses Engagement ist essentiell für die Teilhabe und Gestaltung von Zukunftsfragen. […] Freiräume in den formalen Bildungsstrukturen sind zeitlich fest verankert, sollten jedoch dem selbst gewählten Lernen und Erfahren der Jugendlichen dienen.“

Die Forderungen nach FREI-Räumen allein verändern den Alltag und Strukturen an unseren Schulen jedoch nicht. Es braucht konkrete Lösungsangebote, die Schulen ermöglichen, BNE in ihrem Stunden-plan zu verankern. Mit dem FREI DAY bekommt die Forderung des NAP nach der Ausbildung von Zukunftskompetenzen und unver-zweckten FREI-Räumen ein konkretes Format. Er schafft diese offenen Möglichkeits- und Gestaltungsräume für Schüler*innen, für ihre Zukunftfragen und für ihre Potenziale. Vier Stunden pro Woche für die Zukunft können alle Schulen finden.

Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) soll Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu einem zukunftsfähigen Denken und Handeln befähigen: Wie beeinflussen meine Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen? Welche Auswirkungen hat es, wie ich konsumiere, welche Fortbewegungsmittel ich nutze oder wie viel Energie ich verbrauche? Welche globalen Mechanismen führen zu Konflikten, Terror und Flucht? Oder was können wir gegen Armut tun? BNE hat zum Ziel, dass wir die Auswirkungen unseres eigenen Handelns auf die Welt verstehen und verantwortungsvolle und nachhaltige Entscheidungen treffen.

Cookie Consent with Real Cookie Banner