Was passiert, wenn Schule nicht mit Arbeitsblättern startet, sondern mit Fragen, die Kinder wirklich beschäftigen.
Wenn Lernen nicht vor allem bewertet wird, sondern Sinn macht.
Und wenn junge Schülerinnen und Schüler erleben: Meine Gedanken zählen. Ich kann etwas verändern.
Genau an diesem Punkt beginnt der FREI DAY an der Janusz-Korczak-Schule. Als fester Bestandteil des Schulalltags schafft er Raum für Neugier, Verantwortung und gesellschaftliches Engagement – und verändert dabei nicht nur das Lernen der Kinder, sondern auch die Haltung der Erwachsenen.
Mit dem FREI DAY BNE in Schule umsetzen
Der Impuls zur Einführung des FREI DAY an der Gemeinschaftsgrundschule Marienfeld kam aus dem Kollegium: Eine Kollegin ließ sich von den Büchern von Margret Rasfeld inspirieren und brachte ihre Begeisterung mit einem klaren Wunsch auf den Punkt: „Genau so eine Schule möchte ich mitgestalten.“
Es folgten Gespräche mit der Schulleitung, eine intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept und schließlich die Entscheidung, zunächst in einer Klassenstufe zu starten. „Unser Ziel war von Anfang an, eine Lernkultur zu schaffen, in der Kinder eigenverantwortlich, interessiert und sinnorientiert lernen können“, erklärt Schulleiterin Monika Wirges, „mit Raum für Neugier, eigene Fragen und Themen, die für sie und unsere Gesellschaft relevant sind.“
Der FREI DAY bietet genau diese Möglichkeit: Schule mit der Lebenswelt der Kinder zu verbinden und ihnen zu zeigen, dass sie selbst etwas bewirken können. Im Mittelpunkt stehen Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität, Kommunikation und Zusammenarbeit.
Besonders inspiriert hat das Schulteam die Haltung es Namensgebers der Schule, Janusz Korczak. Sein Satz „Kinder sind keine Menschen von morgen, sondern Menschen von heute“ prägt die Arbeit des Schulteams und spiegelt sich auch im FREI DAY deutlich wider. „Wir wollen Räume schaffen, in denen Kinder gehört werden, ihre Ideen verfolgen dürfen und sich als wirksam erleben“, so Wirges.
Der Weg zur FREI DAY Einführung: Schritt für Schritt
Zu Beginn wurde das Kollegium über das Konzept informiert, es gab Literaturempfehlungen und Verweise auf Online-Beiträge. Das Team der damaligen Stufe 1 mit drei Klassen entschied sich, im zweiten Halbjahr zu starten. Gemeinsam mit der Schulleitung entstand ein klares Modell: Jeden Montag findet der FREI DAY unter dem von uns gewählten Namen Unsere-Welt-Tag statt.
Für die Eltern organisierte das Kollegium einen Informationsabend, in dem sie erklärten, dass dieser Tag Teil des Bildungsauftrags im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist. „Die positive Resonanz der Eltern hat uns darin bestärkt, diesen Weg zu gehen“, erzählt die Schulleiterin. Zur Vorbereitung nahmen die Lehrkräfte an Online-Fortbildungen teil, nutzten Veranstaltungen in NRW gezielt zum Vernetzen und tauschten sich mit einer niedersächsischen Grundschule aus, die bereits Erfahrungen mit dem FREI DAY gesammelt hatte.
„Wir geben Impulse, stellen Fragen und unterstützen methodisch, ohne den Lernprozess zu steuern.“ (Monika Wirges)
Der Start verlief bewusst behutsam: Zunächst sammelten die Erstklässler*innen Erfahrungen mit offenen Lernformen. Der Unsere-Welt-Tag begann als „Draußentag“ im Wald. So entstand von Anfang an ein Bewusstsein dafür, dass es um den eigenen Lebensraum und um echte Gestaltungsmöglichkeiten geht. „Natürlich gab es Herausforderungen“, so die Schulleiterin. Vor allem bei der Integration in den Stundenplan, in der Begleitung offener Lernprozesse und beim Loslassen von Kontrolle sei das der Fall gewesen. Geholfen hätten klare Absprachen, regelmäßiger kollegialer Austausch, Reflexion und eine kontinuierliche Information der Eltern.
Umsetzung im Schulalltag: So läuft der Unsere-Welt-Tag
Der Unsere-Welt-Tag ist fest im Stundenplan verankert und bündelt Anteile aus Deutsch, Sachunterricht, Religion und Sport. Dadurch entsteht eine stabile Grundlage für fächerübergreifendes Arbeiten. Die Rolle der Lehrkräfte hat sich hierbei verändert, die Lehrer*innen verstehen sich nun als Lernbegleitung. „Wir geben Impulse, stellen Fragen und unterstützen methodisch, ohne den Lernprozess zu steuern“, fasst es Monika Wirges zusammen, „eine wertschätzende Atmosphäre ermutigt die Kinder, Neues auszuprobieren und eigene Wege zu gehen.“
Die Themen entstehen aus den Interessen der Kinder und orientieren sich an den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Häufig beschäftigen sich die Kinder mit Themen wie Plastikvermeidung, Tierschutz, soziales Miteinander, gesundes Essen oder Hilfe für Menschen in Not.
Der Ablauf ist klar strukturiert:
- Themenfindung durch Gespräche, Ideensammlungen oder Materialien zu den SDGs
- Themenwahl & Zielsetzung: Festlegung einer Leitfrage oder eines Ziels
- Planung: Schritte, Materialien und Vorgehensweise festlegen
- Durchführung: Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit über mehrere Wochen
- Dokumentation & Präsentation z. B. Plakate, Mappen oder digitale Bücher
- Reflexion durch Austausch über Lernwege, Erfolge und Herausforderungen
Mit der Zeit wächst das Vertrauen in die Kinder und in die Wirkung des Formats. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung und bringen eigene Themen mit großem Engagement ein. Ein besonderes Highlight des FREI DAYs an der Janusz-Korczak-Schule ist das Schulgartenprojekt: Ein Anwohner stellte der Schulgemeinschaft ein Grundstück zur Verfügung und eine örtliche Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) konnte als Kooperationspartner gewonnen werden. Hier erleben die Kinder ganz konkret, wie Lebensmittel wachsen und was Nachhaltigkeit im Alltag bedeutet.
Weitere Projekte waren unter anderem:
- Sammelaktionen für Recyclingmaterialien zur Unterstützung sozialer Projekte
- Die Gestaltung einer Freundschaftsbank auf dem Pausenhof
- Die Teilnahme an einer Lachsauswilderungsaktion
„Die Kinder gewinnen spürbar an Eigenverantwortung. Sie setzen sich Ziele, arbeiten über längere Zeit an Projekten und entwickeln wichtige Kompetenzen im Planen, Recherchieren, Präsentieren und Zusammenarbeiten“, sagt Monika Wirges.
Auch das Kollegium würde profitieren: Das Bewusstsein für schülerzentriertes, projektorientiertes Lernen wächst, Lehrkräfte nehmen die Kinder stärker in ihren individuellen Potenzialen wahr, und die Zusammenarbeit im Team wird intensiver. Auch Eltern würden von begeisterten Kindern berichten, und Kooperationspartner lobten den Einsatz und die Ernsthaftigkeit, mit der die Projekte umgesetzt werden.
„Der FREI DAY lebt nicht von Perfektion, sondern von Haltung und Mut. Raum im Stundenplan, Offenheit für Kinderideen und der Austausch mit anderen Schulen sind entscheidend.“ (Monika Wirges)
Ausblick: Lernformate kontinuierlich weiterentwickeln
Künftig möchte das Schulteam verstärkt klassen- und jahrgangsübergreifende Projekte ermöglichen, um voneinander zu lernen und soziale Kompetenzen weiter zu stärken. Außerdem möchte die Gemeinschaftsschule weitere lokale Partner aus der Region rund um Much gewinnen.
Langfristig soll der Unsere-Welt-Tag ein fester Bestandteil der Schulkultur bleiben, denn er stünde für eine Haltung, die Kindern vertraut, sie ernst nimmt und ihnen echten Gestaltungsspielraum gibt.
Und die Schulleiterin hat auch einen wertvollen Rat an andere Schulen, die mit einem solchen Lernformat liebäugeln: Einfach anfangen. „Der FREI DAY lebt nicht von Perfektion, sondern von Haltung und Mut. Raum im Stundenplan, Offenheit für Kinderideen und der Austausch mit anderen Schulen sind entscheidend“, so Monika Wirges.
Ihr habt Fragen?
Die Schulleitung der Janusz-Korczak-Schule, GGS Marienfeld, steht für weitere Informationen, Schulbesuche und Hospitationen gerne zur Verfügung. Meldet euch gern!
Und hier findet ihr unsere kommenden FREI DAY Infoveranstaltungen und Programme.