Der FREI DAY am Fritz-Greve-Gymnasium

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Das Fritz-Greve-Gymnasium liegt in der Kleinstadt Malchin am Kummerower See. Sobald Präsenzunterricht mit allen wieder möglich ist, werden dort die Schüler*innen einer 7. Klasse mit dem FREI DAY starten und eigene Zukunftsprojekte realisieren. Phil Skeip, der Klassenlehrer der Pilotklasse, erzählt von ihrer Vision des FREI DAYs und den Vorbereitungen dafür.

Laura: Moin Phil! Toll, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch nimmst. Du bist jetzt seit zwei Jahren als Lehrer am Fritz-Greve-Gymnasium?

Phil: Ja, ich habe da mein Referendariat gemacht und war vorher bereits Vertretungslehrer dort. Es hat mir so sehr gefallen, dass ich direkt geblieben bin. Zwar ist die Schule etwas weiter entfernt von meinem Wohnort, aber für so ein schönes Land-Gymnasium und die tolle Arbeitsatmosphäre dort lohnt sich das Pendeln. Die Kollegen sind wirklich super und sehr aufgeschlossen gegenüber neuen Dingen und die Kinder sind klasse. Deshalb hatte ich auch die Motivation dazubleiben.

Laura: Eines dieser ‘neuen Dinge’ soll ja der FREI DAY werden. Wenn ich das richtig verstanden habe, habt ihr die Planungen zum FREI DAY abgeschlossen und wollt als nächstes mit deiner Klasse als Pilotklasse starten? 

Phil: Genau, wir sind ein Dreierteam: ich als Klassenlehrer der Pilotklasse – eine 7. Klasse, die Schulsozialarbeiterin und eine weitere Kollegin, die ohnehin bereits für BNE an der Schule zuständig war. Wir haben uns schon des Öfteren zusammengesetzt, um gemeinsam zu planen, wie wir den FREI DAY einführen wollen. 

Wirklich beginnen wollen wir aber erst – da sind wir uns alle drei einig – wenn wir mit den Kindern in den Präsenzunterricht gehen können. Wir würden sie da einfach gerne direkt sehen, um in die Thematik einzusteigen. Außerdem wollen wir gerne vorab über eine Elternversammlung die Eltern informieren, weil ich mir vorstellen kann, dass das für sie auch erstmal ungewohnt ist. Gerade wenn sie hören, dass die Schüler keine Noten dafür bekommen und es kein Schulfach ist, wie man es üblich kennt. Es geht darum, ihnen die Bedenken diesbezüglich zu nehmen. 

Aber die aktuelle Lage ist wirklich eine sehr große Herausforderung: Wann geht es weiter? Wann können wir mit den Schülern starten? Lohnt es sich überhaupt noch, damit anzufangen in diesem Schuljahr? Das sind die Sachen, die uns gerade beschäftigen.

Laura: Das kann ich gut verstehen. Toll, dass ihr trotzdem dranbleibt! Was ist denn eigentlich deine Motivation, den FREI DAY in deiner Klasse einzuführen?

Phil: Ich habe in der Oberstufe relativ viele Themen, die das Thema nachhaltige Entwicklung betreffen. Dort wissen die Schüler schon wirklich gut Bescheid, z.B. in Bezug auf den Klimawandel: Was können wir machen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Bei meiner eigenen siebten Klasse, bei denen ich auch viel Unterricht habe, merke ich, dass sie damit eigentlich gar nicht so richtig konfrontiert sind und nicht so richtig darüber Bescheid wissen. 

Das möchten wir ändern und auch schon jüngere Schüler an nachhaltige Entwicklung heranführen. Das ist eine große Motivation, die uns da am Herzen liegt. Zuerst hatte ich aber ehrlich gesagt auch Bedenken, wie man die jüngeren überhaupt dazu kriegt, sich mit gewissen Thematiken auseinanderzusetzen. Im Austausch mit Tobias wurden mir diese Bedenken dann genommen, weil er meinte, dass ja sogar Grundschüler schon tolle, eigene Projektideen entwickeln. Auch wenn die Themen eben andere sind oder kleiner gefasst sind oder abstrakter sind, werden da auf jeden Fall tolle Ideen entstehen. Und das ist auch eine Motivation, die wir haben – dass Schüler*innen ihre eigenen Idee umsetzen!

Laura: Wie habt ihr das denn eigentlich gelöst, dass ihr vier Stunden für den FREI DAY zur Verfügung habt? 

Phil: Da hat unsere Schulleiterin einen guten Vorschlag gemacht: Wir haben geplant, die Stunden aus zwei verschiedenen ‘Kontexten’ zu nehmen. Ob es wirklich zu 100 Prozent so umgesetzt werden kann, weiß ich noch nicht genau. Aber wir haben zwei Stunden in der Woche ‘Ganztagsunterricht’. Da haben die Kinder Zeit für Hausaufgaben oder für Fragen und die beiden Stunden werden wir auf jeden Fall für den FREI DAY nehmen, weil die ohnehin von mir in meiner eigenen Klasse betreut werden.

Zusätzlich werden wir ungefähr im Monatsrhythmus einzelne Stunden von den Fächern zur Verfügung stellen. Das heißt, in dem einen Monat werden wir eine Stunde Wirtschaft und eine Stunde Geographie nehmen, sodass sie trotzdem noch Geographie haben, aber eben eine Stunde weniger. Im nächsten Monat wird dann eine Stunde Musik und eine Stunde Kunst genommen. So versuchen wir eine Balance zu halten mit den Zeiten für die einzelnen Unterrichtsfächer.

Laura: Aktuell wisst ihr ja noch nicht genau, wann ihr mit dem FREI DAY starten könnt. Aber wie stellst du dir das vor, wenn jetzt das erste Mal FREI DAY wäre, wie läuft der bei euch ab?

Phil: Also wir haben uns darüber bereits Gedanken gemacht und das ist auch eine der größten Herausforderungen, die ich so sehe: „Wie bekomme ich das gut mit den Kindern hin, dass sie zum einen Interesse dafür entwickeln und zum anderen wirklich eigene Themen entwickeln?“ Wir werden nun erst einmal mit einer Projektwoche starten – mit einer Art „Zukunftswoche“. 

Dabei werden wir mit den Materialien vom Futurium arbeiten. Ich weiß nicht, ob du das kennst: Das Futurium in Berlin ist an sich ein Zukunfts-Museum und die haben wirklich richtig, richtig schönes Material für so eine Zukunftswoche. Das passen wir dann nur noch für unsere Bedürfnisse an. Beim Futurium stehen vor allem die Themen Arbeit, Gesundheit, Energie, Städte und Ernährung im Fokus. So beginnen wir damit, diese Themen mit den Schülern zu besprechen.

In der Projektwoche geht es dann erstmal darum, dass wir Objekte der Zukunft und Zukunftsszenarien entwickeln. Es ist auf jeden Fall viel Gestalterisches dabei. Die Kinder können z.B. bei dem Zukunftsobjekt wirklich etwas bauen. Dabei hat natürlich auch schon die Entwicklung eigener Ideen Platz, u.a. durch die Fragen: „Wie könnte denn ein Albtraum- und ein Wunsch-Szenario der Zukunft aussehen?“ Eine Idee ist auch, am letzten Tag der Projektwoche als Abschluss beispielsweise in das Futurium zu fahren.

In der darauffolgenden Woche, wenn wir dann mit dem FREI DAY an sich starten, wissen sie schon mal, worum es geht und haben eventuell schon erste eigene Ideen für den FREI DAY. Dann können sie auch ganz frei arbeiten. Bei der Projektwoche haben wir uns für einen Mittelweg entschieden und geben eben noch mehr Impulse rein, um einen gewissen Grundstock für die Projektarbeit zu legen.

Laura: Das klingt auf jeden Fall nach einem tollen Einstieg mit der Projektwoche! Wie ist das denn für dich als Lehrer? Wie siehst du deine Rolle beim FREI DAY?

Phil: Das ist noch vollkommen überraschend! Wir haben relativ viele außerschulische Partner um unsere Schule. Da kann ich gleich nochmal etwas zu sagen. Das heißt, wenn die Kinder Ideen haben, glaube ich, dass wir eher eine vermittelnde Funktion einnehmen. 

Ansonsten wird sich das wahrscheinlich auch spontan entwickeln. Ich glaube, dass die Rolle von uns im Laufe des FREI DAYs eher zurückhaltend ist – wir die Kinder machen lassen. Inwiefern wir helfen oder mitwirken, bleibt auch für uns spannend. Das ist auf jeden Fall nicht der Lehreralltag, bei dem wir ganz klar unsere Reihenfolge haben, wie wir einen bestimmten Inhalt an unsere Schüler vermitteln, sondern da ist vermutlich viel Improvisation gefragt.

Laura: Ist denn die Schulsozialarbeiterin auch mit dabei beim FREI DAY?

Phil: Ja, auch da sind wir zu dritt. Auch die Kollegin, die für BNE zuständig ist, ist für den FREI DAY freigestellt. Und ich habe auch eine relativ kleine Klasse, das sind bloß 17 Kinder. Demnach ist da eine gute Betreuung gegeben.

Laura: Du meintest ja gerade, dass ihr bereits viele bestehende Projekte und Kooperationspartner*innen habt? 

Phil: Genau, für unsere Oberstufe haben wir ein Projekthof. Das ist ein Dorf bei Malchin, das sich mit dem Anthropozän beschäftigt, also mit Fragen: Wie gehen wir mit unserer Natur um? Wie hat sich unsere Natur verändert? Wie können wir einwirken? Da entstehen jedes Jahr wirklich tolle Projekte. 

Dort wurde z.B. eine relativ große Gartenfläche von unseren Schülern angepflanzt. Mit der eigenen Ernte produzieren sie dann selber Smoothies oder Quark mit Früchten o.Ä. und verkaufen die Sachen in ihrem eigenen Schüler-Kiosk, den sie eröffnet haben. Außerdem haben sie dort auch eine eigene Solar-Station entwickelt, um Früchte zu konservieren. Es entsteht auch jedes Jahr etwas für unsere Schule: Im letzten oder vorletzten Jahr waren es Schulbänke, die sie dort selber gebaut haben und die auch wirklich viel genutzt werden. Das passiert alles in einem Wahlpflichtbereich, der aber ziemlich gut angenommen wird. 

Dann haben wir einen Moor-Theater, bei dem ganz, ganz viele Kinder von uns mitspielen. Wir sind ja ziemlich wasserlastig hier in Mecklenburg-Vorpommern und auch um Malchin haben wir relativ viel Moore und dort findet dann ein riesengroßes Theaterstück mit 60 bis 80 Personen statt. Dabei wird darauf aufmerksam gemacht, dass auch Moore gut für den Klimaschutz sind. Das ist auf jeden Fall immer toll, wenn man die Kinder dort mitspielen sieht. 

Außerdem haben wir an der Schule eine eigene Schülerfirma, die „Früslis„, die sich auch um eine Art Frühstück kümmern bei uns. Das ist so Quark mit relativ vielen verschiedenen Zutaten. Das stellen sie dann selber her und verkaufen das bei uns. Das wird auch immer sehr gut angenommen.

Ich glaube, dass gerade unsere ländliche Lage es uns ermöglicht ganz, ganz viele Angebote rund um unser kleines Städtchen anzunehmen. Das wird sicherlich auch eine gute Hilfestellung sein für den FREI DAY. So kann man auch einfach mal sagen, dass die Schüler für den FREI DAY nicht in die Schule kommen müssen, sondern ihre vier Stunden dann auf so einem Projekthof o.Ä. verbringen und dort etwas machen. Da sind wir sehr flexibel und können den Kindern durch die bestehenden Kooperationen etwas anbieten.

Laura: Ich wünsche euch auf jeden Fall, dass ihr so schnell wie möglich starten könnt und bin schon sehr gespannt, wie eure Ideen dann wirklich in der Umsetzung aussehen! Vielen Dank für das Gespräch, Phil!

Tipps & Tricks vom Fritz-Greve-Gymnasium
  • FREI DAY-Pilotklasse: Zunächst wird der FREI DAY  in einer einzelnen Klasse starten. Diese Möglichkeit ist schneller und mit einem kleinen Team umzusetzen. Außerdem können wertvolle Learnings für die Weiterführung des FREI DAYs ausgemacht werden und andere in der Schulgemeinschaft für den FREI DAY begeistert werden.
  • Zukunftswoche: Das Fritz-Greve-Gymnasium plant, den FREI DAY mit einer Projektwoche zu starten, in der die Schüler*innen an Zukunftsfragen und -themen herangeführt werden – eine „Zukunftswoche“. So können die Schüler*innen sich bereits umfassend der Thematik annähern und Inspirationen für eigene Projektideen bekommen.
  • FREI DAY-Team: Obwohl der FREI DAY zunächst in einer Klasse eingeführt wird, gibt es von Anfang an ein FREI DAY-Team – hier bestehend aus Klassenlehrer, Schulsozialarbeiterin und der für BNE zuständigen Lehrerin. Die gemeinsame Planung erfolgt sehr detailliert, sodass in Zukunft auch andere Lehrer*innen problemlos mit dem Material arbeiten können. Für die Betreuung durch mehrere Pädagog*innen werden Stunden zur Verfügung gestellt, um besonders den Start in der Pilotklasse gelingen zu lassen. 
  • FREI DAY-Stunden: Zwei der vier Stunden für den FREI DAY werden im monatlichen Wechsel aus allen Fächern genommen. Für die weiteren zwei Stunden werden die sogenannten ‘Ganztagsstunden’ – eine Kombination aus Klassenangelegenheiten und selbstständiger Hausaufgabenzeit – zur Verfügung gestellt. Diese werden ohnehin bereits vom Klassenlehrer betreut.
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